Wastecooking in Japan

abgefahren & aufgegabelt

Mit viel Witz und einer kräftigen Prise Selbstironie erzählt David Groß eine ebenso schräge wie überraschende Geschichte aus Japan. Alles beginnt im grellen Licht eines TV-Studios in Tokio: euphorisches Publikum, ein perfekt lächelnder Moderator – und ein Österreicher, der kurz davor ist, den Japanern im Frühstücksfernsehen den Appetit zu verderben. Denn er kocht bevorzugt mit Zutaten, die andere wegwerfen.

Aus dieser „Lost in Translation“-Szene entwickelt sich für Koch und Filmemacher David ein wilder Roadtrip quer durch Japan, bei dem jeder Kochtopf zur Lupe für eine rätselhafte Kultur wird. Mit einem Foodtruck, der sich vom mobilen Restaurant bis zum eleganten Teehaus verwandeln lässt, reist David über 2.000 Kilometer vom Norden der Hauptinsel Honshu bis in den Süden Kyushus. 

Unterwegs dämpft er Süßkartoffeln im vulkanischen Dampf und räuchert Bonitofisch zu klassischer Musik. In Fukushima erntet er mit einem Landwirt Frühlingszwiebeln in der Sperrzone und lässt sie auf Strahlenwerte testen. In Osaka schließlich macht er gemeinsam mit einem Aktionskünstler die Küche zur Bühne und serviert köstliche Okonomiyaki. Und als wäre das alles noch nicht ungewöhnlich genug, kocht er mit jungen Aktivisten sogar Ramen-Suppe mit Insekteneinlage – ein Experiment, bei dem sich die entscheidende Frage stellt: Wer überwindet hier eigentlich wen – der Koch die Zutaten oder das Publikum seine Vorurteile?

Das Herzstück dieser Reise sind die Begegnungen. Da ist ein Bäcker aus Tottori, der aus alten Brotkrusten überraschend gutes Bier braut – und dabei Karl Marx zitiert. Eine weise Großmutter aus Kyoto, die noch nie einen Supermarkt betreten hat und sich bis heute von Wildpflanzen ernährt. Und schließlich der sagenumwobene Gemüseflüsterer aus Tokio – Koch und Priester in einem. Von ihm lernt David, dass in einem einzigen Reiskorn bis zu sieben Gottheiten stecken. Eine Erkenntnis, die selbst einen Restekoch kurz innehalten lässt.

Zwischendurch sorgen Pannen und Pointen für unerwartete Wendungen: David fliegt wegen seiner Tätowierungen aus einem Onsen oder macht plötzlich Bekanntschaft mit der Yakuza. In solchen Momenten entdeckt er ein Japan jenseits der Postkartenmotive – rätselhaft, manchmal widersprüchlich und gelegentlich ziemlich absurd. Im Wort Mottainai, der japanischen Philosophie des achtsamen Umgangs mit Ressourcen, findet David schließlich einen Schlüssel, der seine eigene Arbeit in einem neuen Licht erscheinen lässt. 

Neben den amüsanten Seiten des „Landes der aufgehenden Sonne“ entdeckt David auch seine weniger bekannten Seiten und zaubert ein überraschend anderes Japan auf den Teller. Und ganz nebenbei stolpert er noch in eine Liebesgeschichte, die in Kimono und Lederhosen endet und schließlich in einem neuen Zuhause in Fukuoka. Denn auch in Japan gilt: Die Liebe geht durch den Magen. 

Davids Live-Reportage ist ein köstlicher Roadtrip mit Tiefgang und Biss, der Mut macht, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Spielerisch zeigt er, dass Nachhaltigkeit vor allem eines sein kann: ein großer Genuss. Eine Geschichte zum Staunen, Lachen und Nachdenken – und mit großem Appetit auf Abenteuer. Die Live-Show wurde 2025 bei den Discovery Days als Beste Story ausgezeichnet.

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